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Turmfalkenprojekt

Der Turmfalke Falco tinnunculus ist mit 250-400 Brutpaaren die häufigste Greifvogelart im Stadtgebiet von Wien. Ausschlaggebend dafür ist ein reichhaltiges Struktur- und damit verbundenes Nahrungsangebot. Die Universität Wien und das Naturhistorischen Museum Wien starteten im Frühjahr 2009 ein erst dreijähriges Forschungsprojekt zur Erfassung und Untersuchung der Turmfalkenpopulation in Wien. Die Turmfalkennester werden weiterhin kartiert, der Bruterfolg erfasst und die Beutezusammensetzung der Falken untersucht.

Turmfalken beobachten

... und nestbezogene Daten melden

Was sollte übermittelt werden?

Die Beobachtungen, vor allem von Turmfalkennestern, sollten folgende Informationen enthalten:

  • Datum/Uhrzeit
  • Ort Bezirk, Strasse, Hausnummer
  • Position der Turmfalkennester
  • Kontakt für Rückfragen

2010 wurden insgesamt 70 Nestlinge beringt mit dem Vogelwartering und einem elektronischen Farbring. Daher bitten wir auch über Sichtungen der rot, blau und grün markierten Turmfalken informiert zu werden.

Alle Wienerinnen und Wiener sind aufgerufen, am besten mit möglichst genauen Angaben (inkl Adresse bei Gebäudebrütern)  zu melden:
online, per Email oder telefonisch unter 0664 / 566 60 45 am "Turmfalken-Telefon". Das Turmfalken-Projekt Wien hat auch eine eigene Facebook Seite.

Fragestellungen

  • Siedlungsdichte Innenstadt-Mischzone-Stadtrand
  • Ansprüche an den Nistplatz
  • Raumnutzung
  • Populationsentwicklung - Bruterfolg
  • Geschlechterverhältnisse der Nestlinge
  • Anzahl der Vaterschaften innerhalb der Gelege
  • Nahrungsspektrum und Beuteangebot

 

Kooperationspartner

neben den zahlreichen Beobachtern:

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Turmfalkenprojekt Wien - Bericht 2010

Im Zeitraum 2010-2012 werden in Wien im Rahmen einer Dissertation die Erfolgsstrategien urbaner Turmfalken (Falco tinnunculus) untersucht, wobei die Habitatnutzung, brutbiologische Parameter und nahrungsökologische Aspekte analysiert werden.

Als urbaner Raum wurden alle Flächen innerhalb der Wiener Stadtgrenze gewertet, die einen Versiegelungsgrad von > 1% aufweisen. Die Kartierungen im Jahr 2010 ergaben 252 Brutpaare auf 243,15 km2 (Gesamtfläche Wien abzüglich der unversiegelten Flächen wie Äcker, Wälder und Gewässer), was einer Brutpaardichte von 103,6 Bp/100km2 entspricht.

Turmfalken sind in Wien überwiegend Gebäudebrüter und nutzen insbesondere offene Dachbodenluken (49,0 % aller Nistplätze). Verlassene Nester an Fassaden oder Bäumen spielen mit 27,7% eine untergeordnete Rolle, in seltenen Fällen werden auch Blumenkisten genutzt (4,0 %). Spezielle Nistkastenprogramme existieren derzeit nicht. Die meisten Gebäudebruten sind süd- (39,0 %) oder ostexponiert (33,0 %), was mit der Baustruktur zusammenhängen dürfte.

Die Brutsaison 2010 war von einer Schlechtwetterphase im Mai und einer direkt darauf folgenden Hitzewelle geprägt, was zu hohen Brutausfällen von 33,7 % geführt hat. Der Bruterfolg nahm dabei mit zunehmender Flächenversiegelung ab und war in offenen Baum- und Blumenkistenbruten deutlich geringer als in geschlossenen Gebäudenischen und Nistkästen. Eine nähere Untersuchung der brutbiologischen Parameter an 36 Standorten ergab, dass in der Innenstadt von durchschnittlich 2,9 gelegten Eiern lediglich 1,1 Jungtiere ausgeflogen sind. In der Peripherie sind von 5,0 gelegten Eiern 2,9 Jungtiere flügge geworden. Die Verluste waren zwischen der Schlupfrate und der Ausflugrate mit 41,7 % in der Innenstadt sehr hoch. Genetische Geschlechtsuntersuchungen (CHD-Methode) zeigten, dass ein Weibchenüberschuss von 62,5 % ausgeflogen ist.

Aktuell gehen durch Fassadenrenovierungen und Dachbodenausbau viele Brutnischen verloren. Daher werden Nistkästen in Zukunft an Bedeutung gewinnen, möchte man den Turmfalken als Brutvogel in Wien in dieser Größenordnung erhalten. Die Erkenntnisse aus dieser Forschungsarbeit sollen zum Schutz der Falken beitragen. Die Stadtökologie und die Erforschung von Kulturfolgern haben in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen.

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