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Die Blauracke in Österreich

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Balzfütterung Blauracken Pärchen
Balzfütterung Blauracken Pärchen

Die Blauracke war noch bis vor 50 Jahren im West- und Oststeirischen Hügellandes ein häufiger Brutvogel der kleinbäuerlichen Kulturlandschaft. Besonders entlang von Telegraphenleitungen und auf damals noch gebräuchlichen Heumandeln war der taubengroße, auffallend türkisblau gefärbte Vogel häufig bei der Ansitzjagd zu sehen. Allein für den steirischen Teil ihres Verbreitungsgebietes wurde ihr Bestand um 1950 auf rund 500 Brutpaare geschätzt. Noch Ende der Sechziger Jahre brütete sie in Südkärnten, in der Ost- und Weststeiermark und im südlichen Burgenland, einzelne Brutvorkommen waren auch aus Niederösterreich und dem Seewinkel am Neusiedlersee bekannt. In den folgenden Jahren verstärkte sich der schon damals festzustellende Bestandsrückgang dermaßen, dass bis 1975 die Art in Känten, Niederösterreich, Burgenland und ein paar Jahre darauf  auch in der Weststeiermark verschwand. Lediglich im südoststeirischen Hügelland zwischen Feldbach, Bad Radkersburg  und Leibnitz konnte ein kleiner Restbestand überleben, war jedoch auf  15 Brutpaare Mitte der achziger Jahre zusammengeschrumpft.  Obwohl einige Fachleute den Rückgang in Mitteleuropa auf eine langfristige Klimaveränderung zurückführen, ist sich die Mehrzahl der Ornithologen darüber einig, dass die Hauptursachen für das fast vollständige Verschwinden der Blauracke, wie auch anderer großinsektenfressender Vogelarten mit ähnlichem Schicksal, in der zunehmenden Vernichtung der ursprünglichen Lebensräume zu suchen. So sind in den vergangenen Jahrzehnten durch die Intensivierung der Landwirtschaft mit geänderten Bewirtschaftungsformen großflächig einstige Wiesen- und Weideflächen in eine Agrarsteppe verwandelt worden, vorwiegend beherrscht von Mais-Monokulturen .

Seit Ende der achziger Jahre scheint sich der Bestand mehr oder weniger stabil auf 10-15 Brutpaare eingependelt zu haben, wobei sich das Brutareal auf ein geschlossenes  Gebiet in der Größe von 20-30 km² verkleinert hat. Dieses Areal wurde zusammen mit umliegenden Bereichen einige Jahre nach dem EU-Beitritt Österreichs als NATURA2000-Gebiet "Teile des Südoststeirisches Hügellandes" ausgewiesen.

Basierend auf dieser Ausweisung konnten vielfach noch erhalten gebliebene Wiesenrestflähen durch Mittel der EU über Förderungsprogramme (BEP, ÖPUL) für mehrere Jahre gesichert bzw. Ackerflächen wieder in Grünland umgewandelt werden. Weiters wurden Landwirte, die mit Flächen in ein Programm einstiegen, dazu verpflichtet, künstliche Sitzwarten als Ansitzmöglichkeit für jagende Blauracken aufzustellen.

Die Blauracke benätigt als Höhlenbrüter geeignete Höhlen in ihrem Bruthabitat. So bevorzugt die steirische Population im wesentlichen Grünspechthöhlen in 5-10 Meter Höhe an Laubbäumen entlang von Waldrändern, Bachläufen, Hecken und Alleen. Um die Konkurrenz mit anderen Höhlenbrütern (z.B. Star) zu vermindern, bzw. das Höhlenangebot zu vergrößern, wurden in den letzten fünf Jahren insgesamt rund 60 Nistkästen aufgehängt, wovon in den in den Jahren 9 (2004), 6 (2005), 13 (2006) und 10 (2007) von der Blauracke besetzt waren. Dies entspricht im Schnitt rund 70-80% der Gesamtpopulation im betreffenden Zeitraum.

Beginnend mit dem Jahre 2001 begann eine Arbeitsgruppe um die Ornithologen Peter Sackl und Michael Tiefenbach damit, zusätzlich zu flächendeckenden Bestands- und Nestkontrollen, Untersuchungen zur Raum- und Habitatnutzung, zum Beuteerwerb und zur Nahrungswahl der Blauracke durchzufähren. Nach unseren Beobachtungen bevorzugt sie kleinstrukturierte Bereiche mit mäglichst großer Diversität an verschiedenen Äckern,  und hohem Grünlandanteil, in Verbindung mit einem ausreichendem Angebot an Ansitzmöglichkeiten in Form von Bäschen, Bäumen, Telegraphenleitungen etc...

Dabei zeigte sich  nicht nur, wie wichtig das Vorhandensein von Grünflächen als Beutehabitat während und nach der Brutzeit ist, sondern auch, dass diese auch passend bewirtschaftet werden. So ist die Blauracke für den Nahrungserwerb auf Biotope mit einer stark aufgelockerten Vegetationsdecke bzw. auf eine regelmäßige Mahd angewiesen. Bevorzugt werden die Randbereiche der Flächen bejagt, da hier meist unterschiedliche Vegetationshöhen und -typen  aneinandergrenzen, und offensichtlich ein höheres Beuteangebot aufweisen. Der Nahrungserwerb findet im Verlauf der Brutperiode im Umfeld der Bruthöhle statt, nach dem Ausfliegen der Jungvögel werden oftmals auch weiter entfernte Gebiete an der Peripherie der Talräume bejagt.

Weiters scheint es, aufgrund der Daten von systematischen Nisthöhlenkontrollen in den letzten Jahren, dass der Bruterfolg von der Witterungslage während der Jungenaufzucht, in höherem Maße als bislang angenommen, beeinflusst wird. Besonders lange Regenperioden können in manchen Jahren große Verluste unter den Nestlingen nach sich ziehen. Auch zeigte sich, wie wichtig es ist, beim Anbringen von künstliche Nisthilfen, potentielle Gefahrenquellen weitestgehend auszuschalten, um nicht "ökologische Fallen" mit kontraproduktivem Effekt, wie z.B. leicht für Raubtiere erreichbare Nistkästen, einer bedrohten Vogelart anzubieten.

Ob die Schutzmaßnahmen, die in den vergangenen Jahren zum Schutze der Blauracke gesetzt worden sind, ausreichen werden, den Bestand auch für die Zukunft zu erhalten oder gar auszuweiten, bleibt allerdings fraglich, zumal der spärliche Restbestand der österreichischen Blauracken nach ersten Ergebnissen von Beringungen anscheinend isoliert ist, und keinerlei genetischen Austausch zu umgebenden Populationen aufweist. Klar ist jedoch, dass ohne fortlaufende Kontrolle des Bestandes und ohne ein fachlich genau auf die Bedürfnisse der Blauracke abgestimmtes Management, die Zukunft der letzten Blauracken Mitteleuropas eher düster erscheint. Wie lange sich die Blauracke noch gegen die Einflüsse der Zivilisationsgesellschaft noch behaupten kann, hängt nicht zuletzt vom Verantwortungsbewusstsein der Menschen gegenüber einer Art ab, die schon seit Jahrhunderten unsere Kulturlandschaft prägt.

MTI

Links:

Bericht über die Blauracken in der Südoststeiermark (Webarchiv)

Zweckwidmung des 1st Austrian 24h BirdRace

Blauracke und Birdrace

Nistkästen

Grünspecht Bruterfolg

Population