Birdrace & Ziele
Birdrace wozu?
Ein Birdrace ist ein geselliger, öffentlich wirksamer Team-Bewerb um einerseits die Freude an der Beobachtung der lebendigen, einheimischen Vogelwelt zu demonstrieren und andererseits auch ein Naturschutzprojekt zu unterstützen.
Es werden in einem eng umgrenzten Gebiet von den einzelnen Teams während des Bewerbs nach speziellen Strategien und Kenntnissen Vogelarten durch Beobachtung festgestellt. Eine Feststellung erfolgt durch Sichtbeobachtung oder bei Kenntnis der Lautäußerungen auch durch eindeutige Zuordnung der Rufe und Gesänge.
Jedes Team führt eine genaue Liste der festgestellten Arten und vermerkt wenn erforderlich, auch ob die Art gesehen oder gehört wurde. Einzelbeobachtungen eines Beobachters gelten nicht und werden nicht gewertet.
Das Austrian Birdrace ist ein quasi klimaschonender bzw. -bewußter Wettbewerb, daher ist nur muskelgetriebene und öffentliche Fortbewegung erlaubt. Der Wettbewerb wurde 2008 für den VCÖ-Mobilitätspreis eingereicht. (Details zum Bewerb s. Regeln).
Ablauf Birdrace
Was passiert bei einem Birdrace?
Kleine Teams versuchen im festegelegten Gebiet möglichst viel Vogelarten gemeinsam eindeutig zu beobachten und damit festzustellen.
Wo?
In der Planungsphase wird ein geeignetes Gebiet ausgewählt. Das kann eng umgrenzt sein und wenige km2 umfassen, ganze Städte, Regionen oder ein ganzes Land oder mehrere Staaten.
Wer?
Teilnehmen kann jeder/jede Interessierte. Manchmal wird auch eine eigene Wertung für die Jugendlichen getroffen (bestes Nachwuchs-Team).
Wie?
Die Regeln legen je nach Bewerb fest, welche Fortbewegung erlaubt ist. Die Zuhilfenahme von Klangattrappen ist aus Gründen der Störung (durch Streß) der revierinhabenden Vögel abzulehnen und daher generell untersagt.
Motivation Birdrace
Ziel dieser Veranstaltungen
... soll neben der Freude am Vogelbeobachten, einem medialen Echo für die Vogelkunde auch das Lukrieren von Geld für ein vogelkundliches Schutzprojekt sein (siehe 2007). Wir wollen auch das Potential der Birdrace-Gebiete aus Sicht der Vogelbeobachtung und der Naturerfahrung für den Ökotourismus betonen. Die Birdrace Veranstaltungen wecken auch mehr Kommunikation und Geselligkeit unter Ornis und Vogelkundlern. Zudem besteht die außergewöhnliche Möglichkeit, die Beobachtungsfähigkeit der einzelnen TeilnehmerInnen direkt zu vergleichen, vor allem wenn der Bewerb in einem eng umgrenzten Gebiet stattfindet.
Zur Geschichte der Birdrace in Österreich
Wie alles begann: Austrian 24h Birdrace
Das Aufeinandertreffen einiger Umstände veranlasste uns von bird.at gemeinsam mit BirdLife-Österreich, der Wiener Umweltschutzabteilung (Gemeinde Wien, MA 22) und dem GEO - Magazin 2005 das erste österreichische Birdrace (1st Austrian 24h Birdrace) durchzuführen.
Bird.at, als Experten-Team bei der Schwerpunktveranstaltung des „GEO - Tag der Artenvielfalt“ im Jahr 2004 in Tirol dabei, veranstaltete zusammen mit der MA 22, BirdLife und GEO das 1st Austrian 24h Birdrace in Wien. Die Wiener Umweltschutzabteilung veranstaltet schon seit einigen Jahren in Wien eine eigene Aktion am „GEO - Tag der Artenvielfalt“.
Seit 2006 gibt es auch ein Birdrace im Mai in der March-Thaya-Region, das seit 2007 unter dem Namen "Centrope Birdrace" ausgetragen wird, weil der Name für alle beteiligten Länder einen klaren Bezug zu dieser gemeinsamen Region herstellt.
24h Austrian Birdrace
Über das Genre Birdrace
In Österreich fanden bis 2005 keine Freilandbewerbe für Vogelkundler, -beobachter und -freunde statt. In angrenzenden Ländern werden diese Bewerbe schon seit längerer Zeit erfolgreich durchgeführt (s. Links dazu). Es können prinzipiell zwei unterschiedliche Formen unterschieden werden:
- Birdrace mit eng umgrenzten Gebiet und einem Zielpunkt (z.B. Hortobágy Birdrace)
- Birdrace mit großem Gebiet und keinem gemeinsamen Treffpunkt.
Die restlichen Regeln sind an sich immer gleich.
Regeln
Der Standardsatz an Regeln in Österreich sieht so aus:
- Ziel ist es pro Team möglichst viele Arten in 24 Stunden zu entdecken.
- Ein Team besteht aus mind. (2) 3 Teilnehmern.
- Die Mehrzahl (50%) der Mitglieder eines Teams muß den selben Vogel eindeutig gesehen oder gehört haben (mindestens 2 Beoachter!), um für die Liste zu zählen. Das Team bleibt immer zusammen.
- Es gelten nur lebende, freilebende Vögel.
- Optische wie akustische Beobachtungen gelten gleichermaßen - indirekte Nachweise (Spuren, Nester, etc.) gelten nicht - sollen aber notiert werden.
- Das Birdrace startet jeweils zum angegebenen Termin und endet am folgenden Tag nach Ablauf der 24 Stunden. Es gelten nur Beobachtungen, die in den oben genannten 24 Stunden gemacht wurden. Die Teams können an jedem beliebigen Ort im Birdrace-Areal starten.
- Ziel ist für alle Teams ein festgelegter Sammelpunkt. Meist findet im Zieleinlauf auch die Auswertung, ein nettes Zusammenkommen und natürlich die Preisverleihung und Siegerehrung mit Präsentation des Gesamtergebnisses statt.
- Es gelten nur Vögel, die im Birdrace-Gebiet beobachtet werden. Im ungarischen Tata (Tatai Vadlúd Sokadalom) zählen auch alle Beobachtungen nach aussen, vom Birdrace Gebiet aus.
- Fortbewegungsmittel sind ausnahmslos öffentliche Verkehrsmittel (Bus, Bahn) und Fortbewegungsmittel, die mit eigener Muskelkraft betrieben werden (Fahrrad, Tretroller, Inline-Skates, Skateboard, ...). Beobachten zu Pferd bzw. von einer Kutsche zählen auch, es wurde aber noch nie danach gefragt, obwohl Vogelschaun und Reiten eine gute Kombination sein soll.
- Es gilt - vor allem in Wald- und Naturschutzgebieten - ausdrücklich das Wegegebot - bei Nichteinhaltung droht eine Disqualifizierung!
- WICHTIG: Jeder Teilnehmer ist auf eigene Gefahr und Verantwortung unterwegs.
- Es dürfen keine Klangattrappen verwendet werden!
- Private Gärten und Grundstücke dürfen nur mit Genehmigung des Grundeigentümers betreten werden! Auf Friedhöfen ist die öffentliche Ruhe nicht zu stören.
- Der Schutz der Vogel-Arten, Lebensräume und die Privatsphäre der Anrainer und Eigentümer haben Priorität!
Auswertung
Die Auswertung erfolgt im Zieleinlauf anhand der ausgefüllten Listen und wird oft mittels Computer vorgenommen.
- eine festgestellte Art zählt 1 Punkt.
- "Exoten" (Zooflüchtlinge) zählen nicht. Eingebürgerte Arten (Fasan, Mandarinente), die nun erfolgreich brüten (Kategorie C Arten), schon.
- 5 Punkte gibt es für eine Vogelart, die sonst von keiner anderen Gruppe gesehen/gehört wurde ("Blocker").
- Superbonus: 10 Punkte können vergeben werden, wenn ein Team alle vorkommenden Arten einer speziellen Gruppe, z.B. Spechtarten, Rallenarten oder alle Eulenarten, festgestellt hat.
Anmerkung zum Blocker-Bonus: Dieser mach das Birdrace erst richtig spannend, weil die unberechenbaren Vögel so die Punkteunterschiede verstärken und nicht allein die Anzahl der beobachteten Arten (Listenlänge) ausschlaggebend ist. Ob dieser Bonus nun aus zwei, drei oder wie momentan vier Extrapunkten besteht, ist mitunter heiss diskutierte Frage.
Für den Spiel- und Wettbewerbcharakter scheint er jedenfalls unabdingbar.
Links zum Thema Birdrace
Birdrace Bewerbe finden in mehreren europäischen Ländern statt:
Ungarn (BirdLife Hungary, MME)
Slowakei (Celoslovenský Vtáčí Maratón, Vogelmarathon von SOVS, BirdLife Slovakia)
Deutschland (DDA)
Schweiz (BirdLife Schweiz)
Großbritannien, Skandinavien (N, S, DK, FIN), Griechenland,
weltweit:
Allgemeine Links:
Zum ersten Birdrace in Deutschland, aktuell vom birdnet.de

